Grundregeln der französischen Aussprache

Eine gute französische Aussprache entscheidet darüber, ob du Muttersprachler verstehst und selbst verstanden wirst. Und im Französischen kommt es dabei oft auf Kleinigkeiten an, denn viele Wörter klingen ähnlich, und ein Laut verändert sich je nachdem, welche Laute um ihn herum stehen. Die gute Nachricht: Die Aussprache im Französischen folgt ziemlich verlässlichen Regeln. Lerne die folgenden, übe sie mit den Beispielwörtern, und dein Akzent wird schnell besser. Manches fällt dir als Deutschsprachigem sogar leichter, als du denkst.

Liaisons

Französisch mag den Fluss, deshalb werden Wörter oft miteinander verbunden. Das nennt sich Liaison: Ein eigentlich stummer Endkonsonant wird gesprochen und an den Anfang des nächsten Wortes gezogen. Das passiert, wenn das nächste Wort mit einem Vokal oder einem stummen "h" beginnt.

  • les amis, gesprochen "lä-samí"
  • ils ont, gesprochen "il-són"
  • petit enfant, gesprochen "peti-tanfan"
  • premier amour, gesprochen "premjä-ramúr"

Im Deutschen machst du genau das Gegenteil: Vor jedem Vokal setzt du einen kleinen Knacklaut, wie in "ver-eisen". Genau den musst du dir im Französischen abgewöhnen. Der Bindekonsonant verändert sich dabei manchmal: Ein auslautendes "s" wird zu einem weichen, stimmhaften "s" wie in "Rose" (ils ont), ein auslautendes "d" klingt wie "t" (grand ami).

Konsonanten

Die meisten französischen Konsonanten kennst du aus dem Deutschen. Ein paar verhalten sich anders:

BuchstabeWie er klingtBeispiele
himmer stumm, ohne Behauchunghaut, hier, l'hiver
jwie das "g" in "Garage"jeter, jaune, joli
gvor e oder i wie das "g" in "Genie"; vor a, o, u hart wie in "gut"génial, gentil; la gare, gâteau
cvor e oder i weich wie das "ß" in "Straße"; vor a, o, u hart wie "k"ciel, ceinture; cadeau, coiffure

Stumme Endkonsonanten

Als Faustregel gilt: Die meisten Endkonsonanten im Französischen sind stumm, das auslautende "s" ganz besonders.

Eine feste Regel gibt es nicht, aber eine gute Eselsbrücke sind die Buchstaben des englischen Wortes "careful" (c, r, f, l). Sie werden häufiger gesprochen als andere.

Das auslautende "r" ist ein gutes Beispiel: In -er-Verben wie parler, visiter und aller bleibt es stumm, in Wörtern wie pour, dormir und pouvoir hörst du es deutlich.

Eine typisch deutsche Stolperfalle kommt noch dazu: die Auslautverhärtung. Im Deutschen wird aus "Rad" ein "Rat". Im Französischen bleibt ein gesprochener Endkonsonant weich, wie in rouge oder belge. Je mehr Französisch du hörst, desto sicherer wird dein Gefühl dafür.

Nasalvokale

Die Nasalvokale sind eines der Markenzeichen des Französischen und echtes Übungsmaterial wert: Die Luft strömt teilweise durch die Nase. Im Deutschen gibt es sie nicht, aber du kennst den Klang aus Lehnwörtern wie "Balkon", "Chance" oder "Parfüm". Das sind die wichtigsten, mit Beispielwörtern:

SchreibweiseBeispielwörter
an, am, en, emenfant, encore, embrasser, campagne, croissant, ambulance
on, ombonbon, pardon, poisson, prénom
in, im, ain, eincinq, poussin, impatient, pain, plein
un, umlundi, aucun, parfum

Die französischen Akzente

Das Französische hat vier Akzente, und jeder verändert Aussprache oder Bedeutung auf seine Weise.

Der accent aigu (é)

Er steht nur auf dem e, sorgt für ein klares, geschlossenes "e" wie in "See" und zeigt, dass der Buchstabe gesprochen wird, sogar am Wortende, wo ein einfaches "e" stumm bliebe: café, clé, été. Er markiert außerdem das Partizip Perfekt, mit dem du das passé composé bildest, bestehend aus Subjekt, dem Hilfsverb avoir oder être und dem Partizip: j'ai parlé, je suis passé, j'ai apporté.

Der accent grave (è, à, ù)

Auf dem e gibt er ein offenes "ä" wie in "Bett": père, après, allègre. Auf a und u ändert er den Klang nicht, unterscheidet aber Wörter, die sonst identisch wären: a (hat) und à (zu), ou (oder) und où (wo).

Der accent circonflexe (ê, â, î, ô, û)

Er leistet zweierlei. Er trennt Homophone, zum Beispiel sur (auf) und sûr (sicher), mur (Mauer) und mûr (reif), cru und crû. Und bei manchen Vokalen verändert er den Laut: ê klingt wie è (être, crêpe, rêver, conquête), â wird zu einem längeren, dunkleren "a" (la pâte, l'âge). Bei î, ô und û bleibt der Klang weitgehend gleich (l'île, l'hôte, la côte, mûr, le goût).

Das tréma (ë, ï)

Das tréma sagt dir, dass du zwei benachbarte Vokale getrennt sprichst statt als einen Laut. Vergleiche mais (aber), wo "ai" ein Laut ist, mit maïs (Mais), wo "a" und "i" auseinandergezogen werden, ganz wie im deutschen "naiv". Weitere Beispiele: Noël, canoë, naïve, aïoli.

Besondere Laute

Ein paar französische Laute haben keine direkte Entsprechung im Deutschen.

Die cédille (ç)

Die cédille macht ein "c" weich und gibt ihm einen stimmlosen "s"-Laut. Sie steht vor a, o und u, wo ein einfaches "c" sonst hart wäre: garçon, leçon, façade, français. (Vor e und i ist das "c" ohnehin weich, dort braucht es keine cédille.)

Die Ligatur œ

Der Buchstabe œ verbindet o und e zu einem einzigen gerundeten Vokal, der nah am deutschen "ö" liegt: sœur, bœuf, œuf, vœu, nœud, œil.

Vokalverbindungen

Das Französische fasst Vokale zu festen Lauten zusammen. Das sind die häufigsten:

KombinationLautBeispiele
au, eaugeschlossenes "o" wie in "Boot"eau, Bordeaux, gâteau
eu, œugerundet, ähnlich dem "ö" in "können"beurre, adieu, bœuf, chœur
aioffenes "ä" wie in "Bett"frais, lait, aimer
oi"oa" wie in "Toilette"poisson, besoin, loin
ou"u" wie in "Buch"jour, amour, vous
uischnelles "üi"fuite, pluie, cuisine

Zusammenfassung

Die französische Aussprache ruht auf wenigen Mustern: Binde Wörter mit Liaisons, rechne damit, dass die meisten Endkonsonanten stumm bleiben (vor allem das "s" und das "r" der -er-Verben), beherrsche die vier Nasalvokale und lerne die Akzente. Das é für ein geschlossenes "e", è und ê für ein offenes "ä", circonflexe und grave für die Bedeutung, das tréma zum Trennen.

Nimm die cédille ç dazu (weiches "s" vor a, o, u) und die gängigen Vokalpaare, und die meisten Wörter fallen an ihren Platz.

Am schnellsten kommst du voran, wenn du Französisch laut sprichst und Muttersprachler nachahmst, am besten auf einer Sprachreise nach Frankreich mit SPRACHCAFFE.

FAQ

Eine Liaison ist die Bindung, bei der ein normalerweise stummer Endkonsonant doch gesprochen und an den Anfang des nächsten Wortes gezogen wird. Das hält die Sprache im Fluss, zum Beispiel bei "les amis", das wie "lä-samí" klingt.

Französisch spricht Endkonsonanten und manche Vokale schlicht nicht aus, das gehört zum Kern der Sprache. Zu wissen, welche Buchstaben stumm bleiben, ist der Schlüssel zu einem natürlichen Klang.

Das französische "r" entsteht hinten im Rachen, ganz ähnlich wie das deutsche Zäpfchen-R in "rot". Damit hast du einen Startvorteil: Im Französischen klingt es nur etwas rauer und gleichmäßiger. Zuhören und nachahmen bringt dich am schnellsten dahin.

Ziemlich. Viele Wörter sehen sich ähnlich, trotzdem folgt Französisch verlässlichen Regeln. Wenn du die wichtigsten kennst, also Liaisons, Nasalvokale und stumme Buchstaben, verbessert sich deine Aussprache schnell.

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