Spanische Akzente und Satzzeichen:
Akzent, Tilde und umgedrehtes Fragezeichen
Wenn du Spanisch schreibst, begegnen dir schnell Zeichen, die es im Deutschen so nicht gibt. Mit ä, ö und ü kennst du zwar Buchstaben mit Zusatzzeichen, Akzente tauchen im Deutschen aber fast nur in Fremdwörtern wie Café auf. Im Spanischen gehören sie zur korrekten Rechtschreibung. Besonders typisch sind zwei Dinge: der Akzent über einem Vokal, der Betonung und sogar Bedeutung verändern kann, und das umgedrehte Fragezeichen bzw. Ausrufezeichen am Anfang einer Frage oder eines Ausrufs.
Der Akzent im Spanischen
Das Spanische kennt nur ein Akzentzeichen, den Akut (´). Er steht ausschließlich auf den fünf Vokalen: á, é, í, ó, ú. Auf Spanisch heißt dieses Zeichen übrigens tilde, was du nicht mit der Wellenlinie über dem ñ verwechseln solltest. Der Akzent hat zwei Aufgaben.
Akzent als Betonungszeichen
Die spanische Betonung folgt festen Regeln:
- Wörter, die auf Vokal, n oder s enden, werden auf der vorletzten Silbe betont: casa, hablan, libros.
- Alle anderen Wörter werden auf der letzten Silbe betont: hablar, ciudad, español.
Weicht ein Wort von diesen Regeln ab, zeigt der Akzent die tatsächlich betonte Silbe an, wie in café, canción oder árbol. Wörter, die auf der drittletzten Silbe betont werden, tragen immer einen Akzent, zum Beispiel rápido oder música.
Akzent zur Unterscheidung von Wörtern
Außerdem unterscheidet der Akzent Wörter, die sonst gleich geschrieben werden. Man spricht vom diakritischen Akzent (tilde diacrítica). Er betrifft einige sehr häufige Wortpaare:
| Ohne Akzent | Mit Akzent |
|---|---|
| el (der) | él (er) |
| tu (dein) | tú (du) |
| mi (mein) | mí (mir, mich) |
| si (wenn, ob) | sí (ja) |
| se (sich) | sé (ich weiß) |
| te (dir, dich) | té (Tee) |
| mas (aber, gehoben) | más (mehr) |
Auch Fragewörter tragen einen Akzent, und zwar in direkten und indirekten Fragen sowie in Ausrufen: qué, quién, cuál, cuánto, dónde, cuándo, cómo.
- ¿Qué quieres? → Was möchtest du?
- No sé dónde vive. → Ich weiß nicht, wo er wohnt.
- ¡Qué bonito! → Wie schön!
Werden dieselben Wörter dagegen als Relativpronomen oder Konjunktion verwendet, fällt der Akzent weg: La casa donde vivo. (Das Haus, in dem ich wohne.)
Tilde und Trema: ñ und ü
Zwei weitere Zeichen stehen über Buchstaben. Das Trema (diéresis) steht auf dem u in den Verbindungen güe und güi und zeigt an, dass das u mitgesprochen wird, wie in pingüino (Pinguin) und vergüenza (Scham). Anders als im Deutschen macht es aus dem u also keinen ü-Laut.
Die Tilde über dem n bildet den eigenen Buchstaben ñ, der ähnlich klingt wie "gn" in Champagner, etwa in año (Jahr). Mehr dazu findest du auf unserer Seite zum spanischen Alphabet.
Umgedrehtes Fragezeichen und Ausrufezeichen
Das auffälligste Merkmal der spanischen Zeichensetzung: Fragen und Ausrufe werden am Anfang und am Ende markiert. Eine Frage beginnt mit einem umgedrehten Fragezeichen (¿) und endet mit dem gewohnten. Beim spanischen Ausrufezeichen funktioniert es genauso (¡ … !).
- ¿Cómo estás? → Wie geht es dir?
- ¡Qué sorpresa! → Was für eine Überraschung!
Das öffnende Zeichen steht dort, wo die Frage oder der Ausruf beginnt, nicht unbedingt am Satzanfang. In María, ¿vienes con nosotros? (María, kommst du mit?) setzt das umgedrehte Fragezeichen erst bei der eigentlichen Frage ein.
Spanisches Fragezeichen auf der Tastatur
- Windows: Alt gedrückt halten und auf dem Ziffernblock 168 (¿) bzw. 173 (¡) tippen.
- Mac (deutsche Tastatur): Alt + ß ergibt ¿, Alt + 1 ergibt ¡.
Smartphone: ? oder ! lange gedrückt halten und das umgedrehte Zeichen auswählen.
Weitere spanische Satzzeichen
Die übrigen Satzzeichen entsprechen weitgehend dem Deutschen, mit ein paar Unterschieden. Als spanische Anführungszeichen empfiehlt die Real Academia Española vorrangig die comillas latinas (« »), die anders als die deutschen »Guillemets« nach außen zeigen: «así». Die englischen Anführungszeichen (" ") sind aber ebenfalls weit verbreitet.
Bei Zahlen nutzt Spanien wie das Deutsche das Komma als Dezimaltrennzeichen (3,5), in Mexiko und einigen anderen Ländern Lateinamerikas ist dagegen der Punkt üblich (3.5). Für Tausender empfiehlt die RAE ein Leerzeichen statt eines Punktes: 10 000.