Reflexive Verben im Spanischen: Arten, Formen und Gebrauch

Bei einem reflexiven Verb richtet sich die Handlung auf das Subjekt zurück. Wer handelt, ist also zugleich betroffen. Spanische reflexive Verben begegnen dir ständig. Mit Deutsch als Muttersprache hast du dabei einen Vorteil, denn auch das Deutsche kennt reflexive Verben wie sich waschen oder sich freuen. Die beiden Sprachen decken sich aber nicht immer: levantarse heißt zum Beispiel aufstehen, ganz ohne "sich". Im Wörterbuch erkennst du reflexive Verben an der Endung -se am Infinitiv (lavarse, levantarse, llamarse).

  • Nicht reflexiv: Lavo el coche. → Ich wasche das Auto (die Handlung richtet sich auf ein Objekt).
  • Reflexiv: Me lavo. → Ich wasche mich (die Handlung fällt auf das Subjekt zurück).


Reflexivpronomen im Spanischen und ihre Stellung

Zu jeder Person gehört ein eigenes Reflexivpronomen: me, te, se, nos, os, se. Bei levantarse lautet die Konjugation im Presente: me levanto, te levantas, se levanta, nos levantamos, os levantáis, se levantan. Wo das Pronomen steht, hängt von der Verbform ab:

  • Vor dem konjugierten Verb: Me levanto a las siete. (Ich stehe um sieben Uhr auf.)
  • Angehängt an den Infinitiv: Quiero levantarme temprano. (Ich will früh aufstehen.) Genauso richtig ist die Stellung vor dem konjugierten Verb: Me quiero levantar temprano.
  • Angehängt an das Gerundio: Estoy levantándome. (Ich stehe gerade auf.) Auch hier geht alternativ: Me estoy levantando.
  • Angehängt an den bejahten Imperativ: ¡Levántate! (Steh auf!)
  • Vor dem verneinten Imperativ: No te levantes. (Steh nicht auf!)

Wird das Pronomen angehängt, bekommt das Verb oft einen Akzent, damit die Betonung erhalten bleibt.


Wichtige Gruppen reflexiver Verben

Reflexive Verben lassen sich in gut erkennbare Gruppen einteilen. So lernst du die Liste der wichtigsten Verben leichter. Zum Tagesablauf gehören despertarse (aufwachen), levantarse (aufstehen), ducharse (duschen), vestirse (sich anziehen) und acostarse (ins Bett gehen). Dabei gilt eine wichtige Regel: Bei Körperteilen und Kleidung verwendet das Spanische den bestimmten Artikel statt eines Possessivpronomens. Das kennst du bereits aus dem Deutschen: Me lavo las manos (Ich wasche mir die Hände) und Se pone el abrigo (Er zieht sich den Mantel an).

Auch Gefühle und Stimmungen werden oft reflexiv ausgedrückt, etwa mit sentirse (sich fühlen), alegrarse (sich freuen), enfadarse (sich ärgern, wütend werden), preocuparse (sich Sorgen machen) und divertirse (Spaß haben, sich amüsieren).


Verben, die ihre Bedeutung ändern

Manche Verben bekommen in der reflexiven Form eine ganz neue Bedeutung:

  • ir (gehen) und irse (weggehen, aufbrechen)
  • llamar (rufen, anrufen) und llamarse (heißen)
  • poner (stellen, legen) und ponerse (anziehen, aufsetzen)
  • dormir (schlafen) und dormirse (einschlafen)

Andere Verben kommen nur reflexiv vor. Lerne sie am besten gleich mit Pronomen und Präposition, zum Beispiel quejarse de (sich beschweren über), arrepentirse de (bereuen), atreverse a (sich trauen) und darse cuenta de (merken, bemerken). Achtung: Bereuen und merken sind im Deutschen nicht reflexiv, im Spanischen schon.


Das se für Missgeschicke (se accidental)

Mit dem se accidental beschreibt das Spanische ungeplante Ereignisse. Die Verantwortung rückt dabei von der Person weg, die stattdessen als indirektes Objekt im Satz steht. Diese Konstruktion ist dir vertrauter, als du denkst:

  • Se me cayó el vaso. → Mir ist das Glas heruntergefallen.
  • Se me olvidó la cita. → Ich habe den Termin vergessen (wörtlich: Mir ist der Termin entfallen).

Verwandte reflexive Verben drücken eine Zustandsänderung aus. Das Deutsche sagt dafür meist einfach "werden", das Spanische unterscheidet genauer: ponerse für eine plötzliche Veränderung (Se puso rojo, er wurde rot), volverse für eine tiefgreifende Veränderung (Se volvió famoso, er wurde berühmt), hacerse für eine allmähliche Veränderung durch eigenes Zutun (Se hizo médico, er wurde Arzt) und quedarse für einen Zustand als Ergebnis (Se quedó solo, er blieb allein zurück).